Unter- und Mittelstufe
Die Unter- und Mittelstufe einer Waldorfschule umfasst die Klassen 1 bis 8, grob gesagt das zweite Jahrsiebt der Kinder, und wird oft auch als ”Klassenlehrerzeit” bezeichnet. ”Klassenlehrerzeit” deshalb, weil ein Lehrer seine Klasse in der Regel als erste Klasse bekommt und dann bis zur achten Klasse führt. Er übernimmt in diesen acht Jahren mindestens den Hauptunterricht, einen bei uns 105 minütigen Zeitraum am Morgen, in dem epochenweise unterrichtet wird.
Für die Erst- und Zweitklässler bedeutet das: auf vier Wochen Formenzeichen folgen vier Wochen Schreiben und dann vier Wochen Rechnen bevor das Formenzeichnen wieder an der Reihe ist. Ganz so streng wird das dann in der Praxis allerdings nicht gehandhabt, Reihenfolge und Länge der Epoche bestimmt der Klassenlehrer immer mit Blick auf die Schüler, ihre Bedürfnisse, ihren momentanen Entwicklungsstand oder ihr Durchhaltevermögen.
In den höheren Klassen kommen neue Epochen hinzu - abgestimmt auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung des Kindes, die nicht nur von Rudolf Steiner, sondern auch von namhaften Pädagogen beschrieben wurden. In der dritten Klasse beschäftigen sich die Kinder an den Waldorfschulen mit Ackerbau und anderen Handwerken und werden selber als Bauern und Bäcker, als Müller und Maurer tätig. Steht das Haus und ist das selbst gebackene Brot gegessen, wenden die Kinder in der vierten Klasse den Blick zunächst in die nähere Umgebung: Die Heimatkunde steht an. Dazu kommt in der ersten Tierkundeepoche der Blick ins Tierreich, bald darauf folgen Pflanzen-, Himmels- und Gesteinskunde bevor mit Physik und Chemie die Klassenlehrerzeit sich dem Ende neigt. Bevor sich die Jugendlichen allerdings endgültig von ihrem Klassenlehrer verabschieden und in die Oberstufe und in ein neues Jahrsiebt eintreten, steht als Abschluss noch ein Achtklassspiel auf dem Programm.