Vermessungspraktikum
Das Vermessungspraktikum ist ein wesentlicher Bestandteil des Oberstufenlehrplanes einer Waldorfschule. Grundlage ist die Trigonometrie im Mathematikunterricht der 10. Klasse.
Nach einer theoretischen Vorbereitung in der Schule fahren die Zehntklässler für zwei Wochen zum Vermessen und Kartieren in eine landschaftlich interessante Gegend. Die Schüler und Schülerinnen werden dort in der Regel einfach untergebracht und müssen sich unter Anleitung selbst versorgen. Die Klasse wird vorher in Messtrupps von 3-4 Schülern eingeteilt, wobei die Zusammensetzung der Gruppen so gewählt wird, dass eine fruchtbare Arbeit im Team möglich ist. Jeder wird mit seinen Fähigkeiten gebraucht und jeder kann sich in neuen Aufgaben erproben und bewähren. Am Ende müssen die Messergebnisse stimmen. Zusammen mit den Resultaten der anderen Gruppen werden sie zu einem Ganzen in der Karte zusammengefügt.
Auf der Basis mehrerer durch Pflöcke markierter Polygonzüge werden Längen, Winkel und Höhendifferenzen (Nivellement) bestimmt. In dieses Netz werden anschließend Gebäude, Verlauf von Wegen und Straßen, Bäume, Waldränder, Gewässer und Stromleitungen eingemessen. Hierbei lernen die Schüler und Schülerinnen mit sehr genauen Messinstrumenten (z.B. Theodoliten) zu arbeiten. Technisches Verständnis ist gefragt. Gerätefehler müssen durch ausgeklügelte Messmethoden reduziert und die Messwerte gewissenhaft protokolliert werden. Anschließend wird alles in Koordinaten umgerechnet. Jetzt ist der Mathematiker gefordert.
Ziel ist natürlich nicht, die Schüler und Schülerinnen zu Vermessungstechnikern auszubilden. Es gibt einen konkreten Messauftrag und es gibt einen klaren Weg, um diese Aufgabe zu lösen. Das ist nur im Team möglich.
Welche Mühe bedeutet es, eine falsch ermittelte Strecke nochmal messen zu müssen? Alle sind betroffen. Das erzieht zu gewissenhafter Arbeit. Beim Zeichnen entstehen plötzlich Zweifel: ”Sah das wirklich so aus?” Mancher Schüler geht mit seiner Karte nach draußen, um seine Darstellung in der Realität zu prüfen. Schlimmstenfalls muss nochmal gemessen werden. Ein Blick auf Google Earth: ”Wir sind doch wirklich ganz gut! Außerdem stammt das Satellitenfoto aus dem Jahre 2006.”
Den Abschluss bildet ein Präsentationsabend vor den Eltern, Kollegen und den Mitschülern, insbesondere den 9. Klässlern. An diesem Abend sind die fertig gezeichneten Karten und Fotos vom Praktikum zu sehen. Die Schüler und Schülerinnen berichten einzeln oder in kleinen Gruppen, was sie im Praktikum gelernt und erlebt haben. Dabei führen sie die wichtigsten Messverfahren vor und erläutern diese.