Kupfertreiben
Das Material Kupfer stellt ganz andere Anforderungen an den Schüler, der in der Mittelstufe hauptsächlich mit Holz gearbeitet hat. Es ist homogener und hat nicht wie Holz eine Struktur, auf die man beim Bearbeiten aufpassen muss. Man kann es treiben und stauchen doch wird es beim Bearbeiten mit dem Treibhammer immer härter. Der Schüler muss lernen, aufmerksam das Material zu beobachten. Wann ist der Moment erreicht, bei dem das Kupfer nicht mehr unter den Hammerschlägen nachgibt sondern nun spröde reißen will? Welch ein Wunder, wie unter dem Einsatz von Hitze das Werkstück wieder ganz geschmeidig und weich wird! Manch einer beobachtet zum ersten Mal voller Ehrfurcht die schönen Anlauffarben, die beim Ausglühen auf der Oberfläche des Kupfers entlang huschen.

Was hat das Bearbeiten des Kupfers gerade mit der Entwicklung des Schülers zu tun? In der Pubertät erwacht im jungen Menschen der eigene seelische Innenraum. Auch dieser ist weich und verändert sich durch äußere Eindrücke und nimmt dabei eine individuelle Form an. Doch was passiert, wenn der Druck von außen oder innen zu stark wird, wenn die Anforderungen zu groß werden? Als Erwachsener kennen wir diese Probleme. Manch einer wird hart oder droht sogar daran zu zerbrechen. Welche Analogie gibt es wohl zu dem Feuer, das das Kupfer wieder für neue Eindrücke empfänglich macht?